Slowakei - die Chemie stimmt!
Verfasst von senza am 27. September 2008 - 10:37.
Den größten Anteil der Industrieproduktion in der Slowakei nehmen nach wie vor der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die chemische und pharmazeutische Industrie, Energieerzeugung und Metallproduktion ein. Die chemische Industrie ist in diesem Zusammenhang mit einer Ausfuhrquote von rund 80 Prozent einer der zentralen Innovationsmotoren der slowakischen Wirtschaft und eignet sich besonders für mögliche Investitionen.
Verzeichnete die chemische Industrie Anfang der 90er Jahre mit dem Zerfall des osteuropäischen Handelsblocks (COMECON) und dem damit einhergehenden Wegfall vieler osteuropäischer Märkte noch einen Rückgang in der Auslastung der Produktionskapazitäten, kam es bereits Mitte der 90er Jahre mit der zunehmenden Fixierung auf die Märkte „entwickelter Länder“ zu einem erneuten Anstieg.
Nach mehreren Jahren der Stagnation geht es seit 2004 in der slowakischen Chemieindustrie
insgesamt auch deutlich mit den Umsätzen wieder aufwärts. Nach Angaben der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) konnte im Jahr 2004 ein Umsatzzuwachs von 14,5 Prozent auf 154,2 Mrd. Sk (3,97 Mrd. Euro) verzeichnet werden. Laut des Statistischen Amtes der Slowakischen Republik belegte die Chemieindustrie im Jahr 2006 sogar mit einem Umsatzzuwachs von 25,3 Prozent den dritten Platz unter allen Wirtschaftszweigen in der Slowakei.
Der Boom der Chemieindustrie wird diesbezüglich von der insgesamt günstigen Wirtschaftslage und dem gleichzeitigen Wachstum anderer Wirtschaftszweige begünstigt. Zu nennen ist hier die Automobilindustrie, von der vor allem Gummi- und Kunststoffhersteller profitieren. So gehören zu den jüngsten Kapitalengagements in der Chemiesparte Projekte der französischen Firmengruppe Groupe Courbis (Verarbeitung von Polyurethan für den Bedarf der Kfz-Industrie und des Maschinenbaus), der tschechischen Firma Tanex (Herstellung von Sicherheitseinlagen für Pkw-Türfüllungen und -Kopfstützen; in Kooperation mit der Plastika AG, Nitra) und von Investoren wie Key Plastics (USA) und GPI (Frankreich, beide Produktion von Kfz-Kunststoffkomponenten). Auch die gute Auftragslage in der Baubranche trägt zu einer verstärkten Nachfrage insbesondere nach Lacken und Kunststoffen bei.
Das bedeutendste Zentrum der petrochemischen und chemischen Industrie in der Region und zugleich der Slowakei ist die Hauptstadt Bratislava. Weitere Zentren der Chemieindustrie sind unter anderem Sala, Senica und Hlohovec.
Zu den größten ausländischen Investoren in der chemischen und pharmazeutischen Industrie
zählen MOL (Slovnaft ), Continental (Continental-Matador, ContiTech Vibration Control GmbH), Nylstar Slovakia AG, Rhodia IYS AG, Henkel (Henkel Slovensko), Degussa (Fermas s.r.o.), Aventis (Hoechst-Biotika s.r.o. ), Raniplast (Terichem a.s. ) und EniChem (Sloveca s.r.o. ).
Anzumerken bleibt, dass die chemische und pharmazeutische Industrie der Slowakei sehr stark importabhängig ist. Viele Grundrohstoffe und Zwischenprodukte werden eingeführt und in der Slowakei verarbeitet. Laut Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) wies die Außenhandelsbilanz in der Branche in den vergangenen Jahren - bei einer hohen Dynamik sowohl der Ausfuhren als auch der Einfuhren - i. d. R. einen Importüberschuss aus (Exporte 2004: 3,20 Mrd. Euro; Importe 2004: 3,53 Mrd. Euro). Die Importe legten in den Jahren 2001 bis 2004 im Schnitt jährlich um rd. 8 Prozent zu. Der durchschnittliche Exportzuwachs betrug nach Angaben der bfai 6 Prozent. Gut ein Fünftel ihrer gesamten Importe von chemischen Erzeugnissen bezieht die Slowakei aus Deutschland.
