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Geheime Armeedaten verloren

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Als ob die Taliban noch nicht genug wären – die slowakische Militärpolizei, die in Afghanistan Dienst tut, sieht sich jetzt einer neuen Bedrohung gegenüber - ihre persönlichen Daten einschließlich ihrer Heimatadressen hätten in den Händen ihrer Feinde landen können.

Die Zeitung Sme erhielt Ende Mai einen USB-Stick mit Dutzenden von elektronischen Akten über das Personal des Militärpolizeistützpunkts in Bratislava. Der Stick wurde angeblich am 28. März auf dem Hauptplatz in der Stadt Vrbové im Westen der Slowakei gefunden, nachdem ein dunkler BMW der 7er-Reihe von einem Parkplatz wegfuhr.

Die Tageszeitung informierte das für die Militärpolizei zuständige Verteidigungsministerium und übergab den USB-Stick militärischen Ermittlern. Das Ministerium leitete strafrechtliche Ermittlungen ein und innerhalb weniger Tage kündigte der Sprecher Vladimír Gemela an, man habe die Suche nach dem oder den Tätern auf vier Personen einengen können, die Zugang zu den Dateien hatten.

„Wir glauben, dass Rache das Motiv war, denn wir haben vor kurzem einen einschneidenden Personalabbau vorgenommen und 1.500 Personen haben das Ministerium bereits verlassen,“ sagte er.

Die Daten auf dem USB-Stick betreffen alle der über 100 Mitglieder des Militärpolizeistützpunkts in der Hauptstadt seit 2006. Viele dieser Leute haben den Stützpunkt bereits verlassen und gehören zu den 30 Mitgliedern der slowakischen Militärpolizei, die momentan in Afghanistan stationiert sind. Angesichts der Tatsache, dass die Identität der Soldaten im Ausland streng geschützt wird, stellt diese undichte Stelle daher eine Bedrohung der Sicherheit dar, wie ein slowakischer Soldaten, der vor kurzem von einem Einsatz in Afghanistan zurück kam, erklärte.

„Stellen Sie sich vor, Ihre Aufgabe ist es, den Flughafen zu bewachen, und eines Tages werden Sie von jemandem kontaktiert, der behauptet, er wisse, wo deine Familie lebt, und dass es für deren Gesundheit besser wäre, wenn du einen bestimmten Lkw oder eine Einzelperson am nächsten Tag in den Stützpunkt lässt,“sagte der Soldat dem Slovak Spectator.

Die Dateien enthalten auch die Namen der Militärpolizisten, die für andere slowakische Auslandsmissionen arbeiten. Laut dem Sicherheitsexperten Tomáš Valášek vom in London ansässigen Centre for European Reform muss das Durchsickern solcher Daten ernst genommen werden.

„Auch wenn wir bisher noch nicht an der vordersten Linie im Kampf gegen den Terrorismus sind, sollte die Tatsache, dass die Namen und persönlichen Daten von Menschen, die in Afghanistan dienen, in die Öffentlichkeit gedrungen sind, uns mit Besorgnis erfüllen.“

Aber Gemela bestritt, dass slowakische Soldaten in irgendeiner Weise in Gefahr gewesen seien. „Es bestand keine Gefahr irgendeiner Art für diese Menschen [deren Daten durchsickerten], weder in der Slowakei noch im Ausland.“

Andere Dateien auf dem USB-Stick standen im Zusammenhang mit Verfehlungen und Verbrechen, die die  Militärpolizei untersuchte, sowie Angaben über ihre geheimen Überwachung verschiedener Standorte. Es waren auch Informationen über die Gehälter und die Ausbildung von Polizeibeamten und Anträge auf  Versetzungen vorhanden.

„Es ist eine sehr ernste Angelegenheit, dass diese Dateien durchgesickert sind,“ sagte Béla Bugár vom parlamentarischen Verteidigungs- und Sicherheitsausschuss. „Das muss gründlich untersucht werden und in der Sitzung des Ausschusses am 10. Juni werden wir mit Sicherheit eine Erklärung fordern.“

„Es ist eine echte Sauerei,“ sagte ein anderes Mitglied, Martin Pado von der oppositionellen Christlich-Demokratischen Bewegung (KDH). „Das ist keine Kleinigkeit, hier geht es um die Sicherheit des Staates. Und die Tatsache, dass der USB-Stick nicht verschlüsselt oder in irgendeiner Weise geschützt war, ist völlig unverantwortlich.“

Ausschussmitglieder der Regierungskoalition Smer und der Slowakischen Nationalen Partei reagieren auf Aufforderungen zu einer Stellungnahme nicht.

Die ehemaligen Verteidigungsminister Martin Fedor und Juraj Liška von der Oppositionspartei Slowakische Demokratische und Christliche Union (SDKÚ) erklärten, sie könnten sich nicht an ein solch umfangreiches Durchsickern von Daten erinnern.

„Es ist wirklich beschämend, dass diese Daten abhanden gekommen sind, und es zeigt einen Mangel an Professionalität bei den Leuten, deren Aufgabe es ist, solche Informationen zu schützen,“ sagte Fedor. „Es ist ein Sicherheitsrisiko, weil die persönlichen Daten der Mitglieder von ausländischen Missionen viel stärker als die von normalem Personal geschützt werden müssen.“

Gemela sagte, dem Täter drohe die Entlassung und eine strafrechtlichen Anklage. Ein spezielles Team leitet nun die Untersuchung und nahm Beweise von dem Sme-Reporter auf, der die Geschichte ins Rollen brachte.

„Wir haben unsere Suche auf vier verdächtige Parteien eingeengt, die möglicherweise verantwortlich sind,“ sagte er. „Wir können genau ermitteln, wer es war.“

 

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