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Slowaken kehren aus dem Ausland zurück

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Die Slowakei hat viele Auswanderer zu verzeichnen: in vergangenen Krisenzeiten haben sich ganze Familien auf Schiffe begeben und sind in ferne Länder gereist, um ihre Träume von einem besseren Leben zu verfolgen, wobei während des kommunistischen Regimes viele Menschen aus politischen Gründen das Land verlassen haben. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Beitritt der Slowakei in die EU haben viele Slowaken eine Tätigkeit im Ausland angenommen im Hinblick auf neue Erfahrungen, neue Fertigkeiten und Beschäftigung und natürlich bessere Gehälter. Die Situation scheint sich nun zu ändern.

Ursprünglich lockte die Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes die Slowaken wieder nach Hause, aber seit dem letzten Jahr haben auch die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise die Slowaken, vor allem diejenigen, die Arbeitsplätze mit geringer Qualifikation innehielten, wieder nach Hause gebracht.

Seit Ende 2007 ist die Zahl der im Ausland tätigen Slowaken rückläufig und Beobachter gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird. Es sind jedoch nicht Arbeitnehmer mit irgendwelchen Arbeitsplätzen, die dazu tendieren, nach Hause zurückzukehren: Es sind vor allem Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation. Fachleute in der Personalwirtschaft weisen auch darauf hin, dass in der Vergangenheit eine Erfahrung im Ausland eine anerkannte Ergänzung im Lebenslauf eines Menschen war. Heute gibt es dem Bewerber nur Wettbewerbsvorteile, wenn die Auslandserfahrung auf dem Fachgebiet der Person erworben wurde.

Ein wenig Geschichte

Die Slowaken begannen im 19. Jahrhundert in Scharen nach Amerika auszuwandern und die meisten wurden speziell für die manuelle Arbeit im Bergbau und in Wäldern angeheuert.  Sie waren Arbeitnehmer mit geringem Einkommen in den USA, aber ihr Gehalt war immer noch höher als das, was sie in der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie verdienten. Die Auswanderungswelle fand ihren Höhepunkt in der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts. Dies schrieb Peter Zubko vom Historischen Institut an der Christian-Universität in Ružomberok in seiner Geschichte der Slowakischen Migration. Zu dieser Zeit hatte das Gebiet der heutigen Slowakei die höchste Auswanderungsrate im Vergleich zu seiner Bevölkerung zu verzeichnen. Die Slowaken zogen auch in die großen Zentren wie Budapest und Wien.

Laut Zubko ging etwa eine halbe Million Slowaken zwischen 1880 und 1914 in die Vereinigten Staaten. Zwischen den beiden Weltkriegen verließen über 200.000 Menschen die Slowakei und gingen in die USA, nach Kanada, Frankreich, Belgien und Argentinien. Die dritte Auswanderungswelle reichte von 1945 bis 1989, als etwa 100.000 oft illegal das Land aus Protest gegen das kommunistische Regime verließen und vor einer Verfolgung flüchteten, aber auch auf de Suche nach einem besseren Beruf und um ein besseres Leben zu beginnen.

„Slowaken verlassen ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten aufgrund des Mangels an geeigneter Arbeit in der Slowakei und in der Hoffnung auf einen höheren Verdienst, aber auch, um Lebenserfahrung zu sammeln oder Sprachkenntnisse zu verbessern,“ teilte Danuša Jurčová, eine Demografin in der Demografischen Forschungsstelle am Institut für Informatik und Statistik dem Slovak Spectator mit. „Die häufigsten Ziele der Slowaken sind Tschechien, das Vereinigte Königreich, Ungarn, Österreich, Irland und Deutschland.“

Tschechien ist das häufigste Ziel der Slowaken, weil es dort keine Sprachbarrieren gibt und die Länder die moderne Geschichte teilen, als Tschechien und die Slowakei einen Staat bildeten. In den letzten zehn Jahren befindet sich Tschechien auch in einer besseren wirtschaftlichen Verfassung. Ungarn und Österreich wurden für Slowaken, die in Grenznähe wohnen und damit in der Lage sind,  leicht in diese Länder zu pendeln, zu Zielländern für Arbeit. Großbritannien und Irland wurden zum häufigen Ziel für slowakische Arbeitsuchende, nachdem die Slowakei im Mai 2004 der EU beitrat, weil diese Länder ihre Arbeitsmärkte sofort für Bürger aus den neuen Mitgliedsländern öffneten.

Es gibt jedoch keine genauen Statistiken über die Zahl der im Ausland tätigen Slowaken, weder kurz- noch langfristig. Auch wenn die Slowaken verpflichtet sind, der staatlichen Verwaltung mitzuteilen, wenn sie das Land für länger als drei Monate verlassen, ignorieren viele laut Jurčová diese Verpflichtung einfach. Die Daten des Trägers der Sozialverischerung Sociálna Poisťovňa können ebenfalls nicht als zuverlässige Quelle herangezogen werden, da viele Slowaken, die im Ausland arbeiten, ihre Prämien zu Hause einzahlen.

„Alle Daten für im Ausland tätige Slowaken sind nur Schätzungen,“ sagte Jurčová, und fügte hinzu, dass die Auswanderung der Slowaken unterschätzt wurde. Sie hat mit Daten aus Erhebungen des Slowakischen Amts für Statistik, mit Job-Agenturen und dem EURES-Netzwerk in der Slowakei gearbeitet sowie auch mit Daten aus fremden Ländern, in denen Slowaken arbeiten.

Nach dem Slowakischen Amt für Statistik wuchs die Zahl der im Ausland tätigen Slowaken bis Ende 2007.
Während etwa 50.000 Slowaken die Slowakei  um die Jahrtausendwende verließen, um Jobs im Ausland zu finden, verdoppelte sich diese Zahl auf 103.600 im Jahr 2004, sagte Jurčová und führte Daten des Slowakischen Amts für Statistik an. Im Jahr 2006 stieg diese Zahl auf 157.800 und im Jahr 2007 waren es 20.000 mehr, sagte sie.

Die Region Prešov registrierte die größte Abwanderung von Arbeitnehmern, was  Jurčová als langfristigen Trend beurteilte. Bis zum Jahr 2004 machten Menschen aus der Region Prešov etwa ein Drittel der Slowaken aus, die eine Tätigkeit im Ausland aufnahmen. In den letzten beiden Jahren lag die Zahl bei etwa 28 Prozent.

Die Abwanderung der Arbeitskräfte aus der Region Žilina war ebenfalls beträchtlich und machte 27-30 Prozent aller Auswanderer in der Vergangenheit aus, aber es waren nur 15 Prozent der auswandernden Arbeitskräfte im Jahr 2007. Die Zahl der Menschen, die aus der Region Nitra ins Ausland abwanderte,  verringerte sich in den letzten Jahren ebenfalls.
Die kleinste Zahl der Arbeitnehmer, die im Ausland einen Job suchten, kam aus der Region Bratislava, nur etwa 5 Prozent. Dies schreibt Jurčová in Migrationen in der Slowakischen Republik, einer Analyse, die sie im November 2008 veröffentlichte.

Laut dem Amt für Statistik machten Männer zwei Drittel der slowakischen Auswanderer aus, 70 Prozent der Auswanderer waren im Alter zwischen 25 und 34 und 80 Prozent hatten nur Hauptschulausbildung.

“Sie haben hauptsächlich in der Industrie und im Baugewerbe, in Hotels und Restaurants gearbeitet,“ schrieb  Jurčová . „Sie besetzten überwiegend Positionen als qualifizierte Handwerker und Fabrikarbeiter.“

Krise schickt Slowaken nach Hause

Seit 2007 ist die Zahl der im Ausland tätigen Slowaken rückläufig und Beobachter gehen davon aus, dass dieser Trend nun anhalten wird. Ende Juni 2008 waren 165.400 Slowaken im Ausland tätig, 8.500 weniger als im Jahr 2007, schrieb  Jurčová.

Während der ersten Hälfte des Jahres 2008 sank die Zahl der in Großbritannien arbeitenden Slowaken um ein Drittel im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2007 gemäß den Daten des Slowakischen Amts für Statistik. Im zweiten Quartal des Jahres 2008 nahm die Zahl der in Ungarn arbeitenden Slowaken um 3.000 im Vergleich zum Vorjahr ab. Auf der anderen Seite stieg die Zahl der in Österreich und Italien tätigen Slowaken.

Die jüngsten Daten des Amts für Nationale Arbeit, Soziales und Familie (ÚPSVAR) bestätigen, dass die Slowaken nach Hause kommen und dass insbesondere Menschen mit geringen Qualifikationen zurückkehren.

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres schrieben sich 2.998 Menschen, die als letzten Arbeitsplatz EU-Länder angaben, in slowakischen Arbeitsämtern als Arbeitssuchende ein. Für das ganze Jahr verzeichnete ÚPSVAR insgesamt 6.600 solcher Arbeitsuchenden. Sie haben meist als Hilfsarbeiter, unqualifizierte Arbeitnehmer, Handwerker, Mechaniker und Maschinenarbeiter gearbeitet. Die meisten waren Absolventen von Berufsfachschulen oder sie hatten eine Grundschulausbildung.

ÚPSVAR registrierte Ende des Jahres 2008 insgesamt bis zu 250.000 Arbeitssuchende in der Slowakei.

„Die meisten Menschen, die Arbeitsplätze in der Europäischen Union verloren haben, kommen wieder in die Region Prešov,“ teilte Ján Sihelský, Leiter der ÚPSVAR am 20. Januar mit, wie vom ČTK Newswire berichtet.

Es gibt weitere Gründe für die Rückkehr der slowakischen Arbeitnehmer: die Schwächung der Währungen anderer beliebter Zielländer und die Aufwertung der slowakischen Währung ist einer davon.

„Die ursprünglichen Zielländer sind weniger attraktiv geworden,“ sagte Jurčová  dem Slovak Spectator.

Die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und die wachsende Arbeitslosigkeit in diesen Ländern haben seither viele Slowaken nach Hause getrieben, fügte sie hinzu.

Job-Agenturen und -Portale haben berichtet, dass die Slowaken in Zeiten nach Hause kommen, in denen die Zahl der Arbeitsuchenden zunimmt und die Zahl der offenen Stellen nach unten geht. Darüber hinaus sehen sie die weltweite wirtschaftliche Krise hinter der aktuellen Rückkehr. Viele Slowaken kommen aus Großbritannien, Irland, Tschechien und Ungarn zurück.

„Großbritannien und Irland sind in einer tiefen Krise und der Rückgang ihrer Währungen war beträchtlich,“ teilte Dalibor Jakuš, der Geschäftsführende Direktor von Profesia, die ein Job-Portal leiten, dem Slovak Spectator mit. „Insbesondere die aus Tschechien zurückkehrenden Menschen wurden von Agenturen engagiert, die in weniger qualifizierten Positionen in der Industrie, im Baugewerbe oder Handel tätig waren.“

Die Personalagentur Lugera & Makler sieht die slowakischen Arbeitnehmer in der Automobilindustrie und deren Zulieferer als die am stärksten von der Krise betroffenen.

„Das wohl typischste Profil eines Bewerbers ist ein Arbeitnehmer mit Erfahrung als Maschinenführer, Lagerhalter oder als Qualitätskontrollentechniker, aber wir sehen auch mehr qualifizierte Positionen in Bereichen wie Einkauf, Technik, Personal oder Kundenservice ,“ sagte Katarína Bittalová von Lugera & Makler dem Slovak Spectator.

Eine andere Personalagentur, CPL Jobs, berichtet den größten Zufluss an Kandidaten aus Großbritannien und nicht alle waren saisonale oder befristete Arbeitnehmer.

„Wir sehen IT-Spezialisten zurückkommen, für die die Bedingungen in der Slowakei bereits vergleichbar mit denen im Ausland sind,“ sagte Zuzaba Weberová, Verkaufsleiter von CPL Jobs dem Slovak Spectator. Im Allgemeinen sehen Job-Agenturen den Arbeitsmarkt der IT-Branche als den am wenigsten gefährdet an, da viele Unternehmen auch in Zukunft nach IT-Spezialisten suchen.

Die Zeitarbeitsagentur Trenkwalder verbuchte ein breites Spektrum an Bildungsebenen der aus dem Ausland zurückkehrenden Slowaken, von Arbeitern bis Managern. Man glaubt, dass die ausländische Berufserfahrung dieser arbeitslosen Slowaken ihre Chancen erhöhen können, neue Arbeit in der Slowakei zu finden.

„Ihre Chancen, in der Slowakei wieder Fuß zu fassen, wird direkt davon abhängen, ob Unternehmen neue Arbeitsplätze in der Slowakei öffnen.“ Dies äußerte Jana Zedníková, Sprecherin von Trenkwalder gegenüber dem Slovak Spectator. „Die Auslandserfahrungen können ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Unternehmen sind insbesondere an Positionen in den Bereichen IT, Handel, Finanzen, Verwaltung und Dienstleistungen interessiert.“

Die Industrie stagniert fast völlig und das wirkt sich negativ auf das Interesse der Unternehmen in Leiharbeitnehmern aus, fügte sie hinzu.

Es ist jedoch nicht immer der Fall, dass Auslandserfahrung auch eine bessere Chance auf einen guten Job bedeutet. Auslandserfahrung in Positionen mit geringer oder ohne Qualifikation bringen keinerlei Vorteile.

„Auch Hochschulabsolventen, die in weniger qualifizierten Arbeitsplätze in Großbritannien gearbeitet haben, und die durch die Motivation auf  höhere Verdienste oder das Erlangen von Sprachkenntnisse getrieben wurden, sind nun wieder in der Slowakei,“ sagt Jakuš. „Sie bewerben sich für Positionen, bei denen sie ihre Ausbildung anwenden können. Aber sie müssen oft feststellen, dass ihre Auslandserfahrungen, wenn sie nicht auf ihrem Spezialgebiet erfolgten, nicht gleichbedeutend mit Wettbewerbsvorteilen sind, wenn sie mit solchen Antragstellern mit Erfahrung lediglich in der Slowakei verglichen werden.“

Für Unternehmen erhöht die Rückkehr der Slowaken aus dem Ausland den Wettbewerb auf dem lokalen Arbeitsmarkt und verringert die Abwanderung von Spitzenkräften.

„Für Unternehmen bedeutet dies, dass die Erwartungen der Arbeitsuchenden reeller werden müssen,“ sagte Jakuš. „Für das Land ist die Rückkehr von gebildeten Menschen aus dem Ausland interessant. Einer der weniger sichtbare Auswirkungen könnte eine bessere Beziehung zwischen Arbeitnehmern (Gewerkschaften) und den Arbeitgebern sein.“

Laut Jurcová ist es sehr schwierig, die zukünftigen Entwicklungen in der Arbeitsmigration der Slowaken vorauszusagen, da es davon abhängen wird, wie stark die wirtschaftliche Krise die einzelnen Länder trifft und wie sich ihre Beschäftigungsaussichten entwickeln werden.

„Ich gehe davon aus, dass die Zahl der im Ausland tätigen Slowaken sinken wird, doch sie wird wahrscheinlich nicht unter 100.000 fallen - aber dies ist eine recht mutige Schätzung,“ äußerte Jurcová vom Demografischen Forschungszentrum gegenüber dem Slovak Spectator.

 

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