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Slowakische Polizei filmt Missbrauch von Roma

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Der 8. April war Internationaler Tag der Roma, aber die Slowakei konnte keine Verbesserung des Status Quo seiner zweitgrößten ethnischen Minderheit feiern. Stattdessen waren Polizeikommissare in Tonbänder vertieft, die ihre Kollegen zeigen wie sie Roma-Kinder demütigen. Die Szenen erinnern an Misshandlungen in Bagdads Abu Ghraib Gefängnis.

Ein halbes Dutzend Videos wurden  im letzten Monat von der Polizei selbst in einer Polizeistation in Košice in der Ostslowakei aufgenommen. Sie zeigen, wie sechs Roma-Kinder gezwungen werden, sich nackt ausziehen, sich einander auf die Wange zu küssen und sich dann gegenseitig ins Gesicht zu schlagen.

Bei einer Aufnahme stehen sechs Roma-Jungen in einem winzigen Zimmer und fangen an ihre Kleider auszuziehen. Eine Stimme von oben ruft sich zu beeilen, weil der letzte, der sich auszieht, bestraft werde.  Eine magerer Junge zögert, seine weiße Unterwäsche auszuziehen. „Zieh alles aus!“ ruft eine Stimme. „Hände hinter den Kopf!“ Die Kamera, die diese demütigenden Szene filmt, nimmt die Genitalien des Jungen auf und schwenkt dann zu einem Jungen, der zu seinen Peinigern hinaufschaut.

In einer anderen Szene halten Polizisten in Uniform Hunde zurück, die die selben sechs Jungen anbellen. Einer von ihnen versteckt sich hinter einem Schreibtisch. Weinen ist zu hören. „Sei ruhig, hör auf schon jetzt zu weinen!" ruft eine Stimme. „Scheißzigeuner.“

In einer weiteren Szene müssen sich die Jungen einander auf die Wange küssen und sich dann gegenseitig ins Gesicht schlagen.

„Gib's ihm ordentlich! Und jetzt du, schlag zurück! Jetzt küsst euch“, sagt der unsichtbare Kameramann. „Schlag ihn und halt den Mund. Ich sag dir, wenn du aufhören kannst. Wenn er ausweicht, tret ich ihn.“

Uniformierte Polizeibeamte filmen die Handlung auf ihren Kameras und Handys. Die Polizisten lachen, als die Jungen sich unsicher umschauen und auf weitere Anweisungen warten. „Was für ein Schlag war das denn? Schlag so schwer zu wie er dich geschlagen hat!“

Diese erniedrigenden Szenen wurden am 21. März gefilmt. Nach Angaben der Frau, die den Missbrauch gemeldet hatte und angibt, die Videos von ihrem Neffen, der ist ein Polizist ist, erhalten zu haben, mussten die Roma-Kinder noch schlimmere Misshandlungen als die in den Videos gezeigten erleiden.
„Mein Neffe sagte mir, diese Videos sind noch gar nichts, sie haben auch einige gefilmt, wo diese Polizisten ihre Hunde gegen die Kinder loslassen und einige wurden gebissen. Sie haben auch diese Angriffe aufgenommen und an ihre Freunde geschickt. Ich verstehe nicht, wie diese Menschen Polizisten werden können.“

Ivan Krošcen, 13, wurde am 7. April zu Hause in Košice kontaktiert und erzählte, dass er und seine fünf Freunde eine Geldbörse in einem Einkaufszentrum in Košice gestohlen hatten, und nachdem sie verhaftet wurden, seien sie von der Polizei zu einem Revier in der Innenstadt gebracht worden. Ihre Eltern wurden erst nach ihrer Vernehmung angerufen worden, sagte er. Drei von ihnen sind 16, zwei 13 und einer ist erst 11.

„Sie haben dauernd über uns gelacht und uns gesagt, wir brauchen keine Angst vor den Hunden zu haben, weil sie noch jung seien“, sagte er. „Aber einer hat mich am Bein und am Hintern gebissen.“

Janette Žigová, die Mutter von einer der Jungen, sagte, sie habe sich bei einem Ermittler der Polizei beschwert und ihn gefragt, wie man Strafanzeige erstattet, aber der Ermittler habe sie ausgelacht.  „Das sind Rassisten. Sie misshandeln kleine Roma-Kinder gerne. Sie würden das nie mit weißen Kindern tun.“
Žigová sagte ihr Sohn Ondrej behauptet, sie seien mit dem Kopf zuerst and den Knöcheln aus einem Balkon im zweiten Stock gehalten worden. „Sie wollten, dass er ein Geständnis macht,“ sagte sie. Andere Jungen wurden gezwungen, die Stiefel eines Polizisten zu küssen.

Entlassungen und Anklagen

Auf einer nach Auftauchen der Videos am 7. April einberufenen Pressekonferenz sagte der oberste Polizeibeamte des Landes, Ján Packa, dass bis zu neun Polizisten - sechs Streifenpolizisten und drei ihrer Vorgesetzten – deshalb entlassen und wegen Amtsmissbrauchs angeklagt werden würden.  „Diese Personen haben den guten Namen der slowakischen Polizei erheblich beeinträchtigt“, sagte er.

Packa sagte, die Jungen in den Videos hatten einer 66-jährige Frau Verletzungen zugefügt, als sie deren Geldbörse raubten und sie auf dem Bürgersteig liegen ließen. Gegen drei der Jungen wurde nach vier Stunden Vernehmung Anklage erhoben, drei wurden freigelassen, da sie minderjährig sind.

Dies ist nicht das erste Mal, dass die slowakische Polizei beschuldigt wurde, verdächtige Roma in ihrer Obhut missbraucht zu haben. Im Jahr 2001 wurde Karol Sendrei, 51, zu Tode geprügelt, als er in Handschellen an einen Heizkörper auf einer Polizeistation in Revúca in der Zentralslowakei befestigt war. Sieben seiner Polizeiangreifer wurden im vergangenen Jahr wegen Folterung für schuldig befunden.

„Das ist schrecklich, aber gleichzeitig ist es nichts Besonderes“, sagte Klára Orgovánová, selbst Roma. Sie war bis 2006 Beauftragte der Regierung für Romafragen. „Es ist eine primitive Gesellschaft, in der die Menschen immer noch denken, es ist ok die Roma auf diese Art und Weise zu behandeln. Deshalb können wir nicht erwarten, dass die Polizei sich anders verhält.“

Weder Dušan Caplovic, der stellvertretende Ministerpräsidenten für Menschenrechte und Minderheiten, noch die derzeitige Beauftragte für Roma-Angelegenheiten, Anna Botošová, reagierten auf Anfragen zur Stellungnahme.

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